Wer hat noch nicht? Wer wollte eigentlich?

Was Fluxdock uns gelehrt hat _ Teil 1

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Eines der grössten Probleme bei der Entwicklung komplexer Produkte, zu denen eine Software-Plattform zur Erleichterung firmenübergreifender Kollaboration fraglos gehört, ist die  Unmöglichkeit, im Voraus zu wissen, was die Nutzerinnen und Nutzer tatsächlich wollen. Agile Prozesse wie SCRUM wurden nicht umsonst von Software-Entwicklern lanciert, die in den 1990ern feststellen mussten, dass von den Funktionalitäten im klassischen Projektmanagement-Format entwickelter Applikationen rund 90% nicht genutzt werden. 


90% Streuverlust sind ein gigantisches No-Go, wenn es um ökonomische Effizienz geht. Empirische, iterative Prozesse, bei denen inkrementell entwickelt, ausgeliefert und getestet wird, sorgten für eine deutliche Verbesserung dieser katastrophalen Bilanz. Die agile Arbeitsweise zu loben und sich vorzunehmen, sie einzusetzen, ist der einfache Teil der Übung. Im Alltagsgefecht mit traditionellen Arbeitsmethoden, Zeitnot, Ressourcenmangel und unternehmerischen Konflikten die Agilität nicht auf der Strecke zu lassen, ist die eigentliche Herausforderung. 


Ein wesentliches Problem, mit dem wir es bei der Umsetzung der Vision Fluxdock zu tun hatten, war die Tatsache, dass zwischen der empfundenen Notwendigkeit, traditionelle Pfade des Unternehmertums zu verlassen, um mit der Digitalisierung Schritt zu halten, und der tatsächlichen Bereitschaft und Fähigkeit, sich auf die damit verbundene Disruption des Alltags einzulassen, Welten liegen. 


Der Plan, eine digitale Plattform zu entwickeln, die kollaborationswilligen Firmen das unternehmensübergreifende ERP (Enterprise Ressource Planning) erleichtert und agile Zusammenarbeit fordert und fördert, ist nach wie vor sinnvoll. Rückblickend betrachtet stellen wir jedoch fest, dass der edukative Anteil, also die Vermittlung der agilen Idee, ihrer methodischen Umsetzung und der vielen damit verbundenen Herausforderungen einen wesentlich höheren Anteil im Projekt Fluxdock hätte einnehmen müssen. 


Statt davon auszugehen, dass der Bedarf nach einer kollaborativen Plattform eine Springflut an Begeisterung unter KMUs auslöst, hätte man mehr Energie darauf verwenden sollen, nachzuhaken, wer in der Digitalisierung an welchem Punkt steht - und woran es prioritär mangelt.


Die in der Zielmatrix festgehaltenen Aspekte der Fluxdock-Vision, “...die Entwicklung einer Kultur der kollaborativen Innovation in der Schweiz” zu initiieren und “durch den Abbau administrativer Hürden von Kollaborationen und die Vermittlung geeigneter Methoden (...) die Grundlage für kollaborative Innovation” zu schaffen, hätte sich bald als zu hoch gesteckt und im Rahmen der veranschlagten Ressourcen als unerreichbar erwiesen.

Learning: 

Weniger planen, mehr testen und nicht davon ausgehen, dass es deshalb billiger, schneller oder weniger riskant wird.