Mit Kanonen auf Spatzen

oder wie aus ambitioniert kompliziert wird.

LEARNING 2

Der Aufbau der IT-Lösung hätte agiler ausgestaltet werden sollen. Mit Blick auf die Gesamtlösung und potentielle Funktionalitäten wurde mit Odoo ein System gewählt und betrieben, das gerade für die MVP-Funktionalitäten nicht ideal war. Dadurch fand früh eine Fehlallokation der Ressourcen statt, die zum Zeitpunkt der Anpassung der technischen Projektziele nicht mehr zu korrigieren war. Zudem wurde hier mit einer Legacy-Lösung eines Projektpartners entwickelt, ohne wirkliche Alternativen auszuprobieren. Mehr Agilität zu Beginn des Projekts wäre hier hilfreich gewesen.
Odoo text and image block

Das Learning im Langformat: 

Fluxdock war (und ist) ein ambitioniertes Projekt. Die kollaborative Innovation fördern - eine Idee, wie das bewerkstelligt werden kann, besteht darin, digitale Werkzeuge zur Verfügung zu stellen, die Unternehmen - jenseits der eigenen Infrastruktur - zur Durchführung firmenübergreifender Projekte schnell und einfach nutzen können.  Eines der Haupthindernisse für die Zusammenarbeit verschiedener Unternehmen an einem Projekt ist die Schwierigkeit der Definition und Nutzung einer gemeinsamen Projektinfrastruktur und Vorgehensmethodik. Schnell stellt sich die Frage, wie und in welchem System am gemeinsamen Projekt gearbeitet werden soll - und wer die Lösung bereitstellt: Firma A,  Firma B oder doch Unternehmen X?

Fluxdock als kollaborative Plattform wollte hier Abhilfe schaffen und ein System zur Verfügung stellen, mit dessen Hilfe die Verwaltung von Projekten jenseits firmeninterner Infrastrukturen nutzerfreundlich möglich wird. Mit diesem Ziel vor Augen wurde entschieden, Odoo als CMS für diese Aufgabe zu wählen.
Odoo ist eine integrierte ERP Software Lösung, die neben dem Betrieb einer Website auch Abrechnung, Finanzbuchhaltung, Produktions- und Lagerverwaltung, Projekt- und Dokumentenmanagement ermöglicht.

Die angestrebte ERP-Lösung erweist sich als "Ressourcenknacker"

Mithilfe der Unterstützung des Fluxdock-Projekts durch die Firma Camptocamp entstand die Website mit einem Partner-Management-Tool. Mitglieder im Fluxdock-Netzwerk konnten nun Profile anlegen, Projekte ausschreiben und sich auf die Ausschreibungen anderer bewerben. Das Ziel jedoch, eine umfassende ERP-Lösung für firmenübergreifende Innovationsprojekte zu realisieren, erwies sich als ein unbezwingbarer “Ressourcenknacker”.

Die interne Anpsassung des Plattform-Konzepts fixierte die zur Verfügung stehenden Mittel auf die Entwicklung eines digitalen Workspaces, in dem Kollaborationspartner Zugriff auf eine Zeiterfassung, eine einfache Dokumentenverwaltung sowie integrierte Tools wie Slack, Trello und G-Drive hatten. Odoo als Basis dieser Entwicklungsarbeit zu nutzen war nun vergleichbar mit dem Sprichwort, das dieser Post als Titel trägt: mit Kanonen auf Spatzen zu schiessen nämlich.

Ein Wechsel: zu diesem Zeitpunkt nicht mehr ökonomisch.

Die Software war für den angepassten Zweck nicht mehr die optimale Wahl. Auch die Zusammenarbeit mit der Software-Firma auf Remote-Ebene erwies sich als Problem, steht und fällt doch die Praktikabilität und Nutzerfreundlichkeit digitaler Tools meist mit der intensiven Interaktion und Kommunikation des Entwicklerteams während des Entstehungsprozesses. 

Ein Wechsel auf eine weniger komplexes CMS jedoch war zum Zeitpunkt der Anpassung der Ziele für Fluxdock im Rahmen der zur Verfügung stehenden Ressourcen nicht mehr ökonomisch - zu viel war schon auf Odoo-Basis realisiert, als dass ein Umzug zu einem anderen Anbieter noch Sinn ergeben hätte.