Die Zielmatrix und der Wasserfall

In der Ende 2015 mit Engagement Migros festgehaltenen Zielmatrix lautet eines der für 2018 angestrebten Ziele für die Entwicklung von Fluxdock wie folgt: “Mit Fluxdock Methoden ist es gelungen, die agilen Arbeitsprinzipien im Rahmen der Arbeitswelt weiter zu verbreiten und insbesondere als Framework für Kollaborationen zu verankern. Das Framework wird von den Nutzern bedarfsgerecht angewendet und weiterentwickelt”. 

Bald zeichnete sich projektintern ab, dass der parallele Aufbau von Standort und komplexer digitaler Plattform für agile, firmenübergreifende Kollaborationen technisch nur bedingt realisierbar sein würde - eine entsprechende iterative Anpassung der Matrix fand jedoch erst sehr spät statt. 

Dies ist auf verschiedene Ursachen zurückzuführen. Auf Fluxdockseite fehlten die Ressourcen, um die notwendige Anpassung der vor Beginn der Projektumsetzung festgehaltenen Ziele zu priorisieren: die mit dem Aufbau der Plattform, des Netzwerks und der Betreuung von Pilotprojekten verbundenen Herausforderungen machten der Priorisierung einer Überprüfung auf Meta-Ebene immer wieder einen Strich durch die Rechnung. 

Erschwerend kam hinzu, dass während der dreijährigen Entwicklung von Fluxdock bei Engagement Migros die internen Zuständigkeiten fürs Projekt mehrfach wechselten. Mit jedem neuen Ansprechpartner wurde die ursprünglich als agiles Project Backlog geplante Zielmatrix stärker zu einem statischen Projektplan. So wurde die für den Projekterfolg unverzichtbare iterative Struktur nach und nach vom sprichwörtlichen Wasserfall überflutet. 

Zum Abschluss des Förderzeitraums gelang es, eine einsatzbereite digitale Kollaborationsplattform vorzuweisen, auf deren Funktionalität es im Rahmen der Pilotprojekte gutes Feedback gab. Die Entwicklung des Projekts Fluxdocks hätte jedoch durch eine agilere Anpassung der Zielmatrix noch effizienter gestaltet werden können, wodurch eine bessere Anpassung des Produkts an die Bedürfnisse in anderen sich parallel entwickelnden Communities möglich geworden wäre. 

LEARNING:

Wir hätten nachdrücklicher einfordern müssen, dass die Zielmatrix den realen Entwicklungen des Projekts angepasst wird. Der Austauschprozess mit Engagement Migros hätte beiderseits iterativer und damit: agiler gestaltet werden müssen, um maximalen Nutzen aus den getätigten Investitionen zu erzeugen und die im Projekt avisierten agilen Arbeitsprinzipien umzusetzen.  

Um firmenübergreifende Projektarbeit zu erleichtern und eine Kultur der kollaborativen Innovation zu etablieren, wurde 2016 mit dem Aufbau der digitalen Plattform Fluxdock begonnen. Entstanden ist die Plattform fluxdock.io, die die Ausschreibung und Durchführung kollaborativer Projekte ermöglicht, das Fluxdock-Firmennetzwerk abbildet und mit ihren digitalen Workspaces firmenübergreifenden Teams die Fokussierung auf kollaborative Innovationsprojekte ermöglicht.

Im physischen  Fluxdock am Freilager-Platz 3 in Münchenstein/Basel teilen sich heute sechs Firmen auf rund 1500 Quadratmetern über 90 Arbeitsplätze. Anders als klassische Co-Workingspaces wurde das Fluxdock nicht für einzelne Kurzzeitmieter konzipiert, sondern für etablierte Firmen, die jenseits des klassischen Büro-Silos miteinandern in Austausch und damit auch: in Kollaboration treten wollen.